Maschinentelegrafen

Maschinentelegrafen stammen aus der Zeit, als Maschi­nen nicht ohne eine ständig anwesende Person betrieben und gesteuert werden konn­ten. Bei einem großen Fahr­zeug, wo sich der Kommandant weit entfernt von der Ma­schine aufhielt, benötigte man Maschinentelegrafen, um die Fahrtanweisungen des Kommandanten in den Ma­schi­nenraum zu übertragen. Dort hatte der ständig anwe­sende Maschinist die Maschine entsprechend zu be­die­nen. Diese Geräte gab es auf Schiffen, aber auch in Luft­schiffen und den ersten großen Flugzeugen, wo die Moto­ren in Gondeln untergebracht waren, in denen – heute kaum vorstellbar – Maschinisten Dienst taten.

Aufbau und Arbeitsweise

Maschinentelegrafen bestehen aus zwei einfa­chen, ähn­lich aussehen­den Apparaten, die miteinander ge­koppelt sind: Ein Hebel lässt meh­rere Ein­stel­lungen zu, die auf einer Scheibe ab­les­bar sind und zum Ge­gengerät über­tragen werden.
Das eine Gerät steht im Führer­stand beim Kommandanten, sein Gegenstück im Maschi­nen­­raum. Wählt der Kom­man­dant mit seinem Hebel eine bestimmte „Fahrt“ (Ge­schwindig­keit), wird dies am Ge­gen­stück im Maschinen­raum angezeigt. Der Maschinist bestätigt den Befehl mit seinem Hebel, der Kommandant sieht dann an seinem Gerät, dass sein Befehl ausgeführt wurde.

Die üblichen Einstellungen der Fahrt waren:

  • Volle Fahrt voraus
  • Halbe Fahrt voraus
  • Langsame Fahrt voraus
  • Halt
  • Langsame Fahrt zurück
  • Halbe Fahrt zurück
  • Volle Fahrt zurück

Abweichungen davon, wie Zwischenschritte oder weitere Kommandos, waren verbreitet.

Die ursprünglichen Maschinentelegrafen der Fähre

Bei den ursprünglichen Geräten unseres Fährschiffs erfolgte die Übertragung der Anweisungen von den Führer­ständen in den Maschinenraum und zurück rein mecha­nisch. Es gab vier über Rollen ge­führ­te Züge aus Seil-, Draht- und Kettenabschnitten (jeweils hin und zurück). Jede Änderung der Fahrt löste im Maschi­nen­raum einen Glockenschlag aus.
Das Gerät besteht aus einem massiven Topf aus Guss­eisen, es wiegt rund 15 kg! Im Inneren befinden sich die beiden Scheiben, um die die Ketten lau­fen. Über diesen ist die Glocke montiert. Die eine Scheibe, die vom Hebel aus dem Steuerhaus gesteuert wird, hat Nocken, für jede Ein­stel­lung eine. Die Nocken betäti­gen einen Hebel, über den die Glocke angeschlagen wird.

Die 2015 eingebauten Maschinentelegrafen

Der Verein „Rettet die Meersburg ex Konstanz!“ musste sich nach Ersatz umsehen, da mit den Resten der ursprüng­lichen Anlage die Funktio­nali­tät nicht mehr hergestellt werden konnte.
Es fand sich ein kompletter Satz von Maschinentele­grafen vom vierten Fährschiff Linzgau[2] das 1952 als letztes Schiff der Linie Konstanz-Meersburg mit Schrau­benantrieb in Dienst gestellt wurde.
An dieser Stelle bedankt sich der Verein herzlich beim Segler­verein Staad und bei den Stadtwerken Kon­stanz für die Zur­ver­fü­gung­stellung dieser Maschinen­tele­grafen, was es mög­lich macht, die Funktions­weise bei Führun­gen zu erläutern.

Bei diesen Maschi­nentelegrafen wurde das Signal zwi­schen den Führerständen und dem Maschinenraum elektrisch übertragen, während die Geräte der beiden Führerstände per Seilzug gekoppelt waren.[3]  Dies war bei der Bauweise dieses Schiffes (die Führerstände stan­den sich auf dem Oberdeck gegenüber) ohne großen Aufwand möglich.
Die neun Befehlsstufen von „volle Kraft voraus“ bis „volle Kraft zurück“ (es gibt hier noch zwei Stellungen namens Achtung“, die aber nicht benutzt wurden) sind über je eine Leitung verbunden. Wird am Steuerstand ein Befehl gegeben, leuchtet am Gerät im Maschinen­raum (statt eines Zeigers) das entsprechende Feld auf. Außer­dem läutet dort eine Glocke so lange, bis der Befehl quittiert wird, d.h. der Maschinist den Hebel auf das leuchtende Feld stellt. Gleichzeitig mit der Glocke im Maschinenraum ertönt im Führerstand ein Summer. So bekommt der Schiffsführer die Rückmeldung nicht an­ge­zeigt, sondern das Ende des Summen bedeutet: “Maschine läuft wie befohlen”.